ALLER ANFANG...
(Christian Opperer)
Ein alter Hut
Die Idee zu diesem Comic liegt schon viel länger zurück als die eineinhalb Jahre Entwicklungszeit. Genau genommen: 13 Jahre.
Fredi und ich waren immer schon Comic-begeistert. Als Jugendliche waren wir v.a. große Asterix-Fans, ja Fredi sogar ein Asterix-Experte (laut Tirol Heute)... Eines Tages hatte dann Fredi die große Erkenntnis, dass in den Asterix-Alben zahlreiche Geschichtsmythen auf die Schaufel genommen werden und er folgerte daraus: "Wenn Zeichner und Autor der Asterix-Hefte Tiroler gewesen wären, hätten sie bestimmt ihre Geschichten im Jahr 1809 angesiedelt und sich über Andreas Hofer statt über Vercingetorix lustig gemacht!" Aus dieser Feststellung erwuchs die Idee, ein Tirol-Comic als Persiflage auf die Asterix-Hefte zu schaffen. Wir wollten den ersten Asterix-Band nachzeichnen - mit Tiroler Charakteren und Tiroler Namen, die Handlung/ Schauplätze auf Tirol getrimmt, aber vom Ablauf her gleich. Wir haben es sogar bis zu den ersten paar Skizzen geschafft... Ein fertiges Comic wurde aber nie daraus.

1996: Die erste Seite als Entwurf...

1996: Das Dorf unserer drei Helden...

1996: Kassian Sterndl und Pepi Kloaber.

1996: Nebenfiguren.
Sich erinnern im Gedenkjahr
Ganz losgelassen hat uns die Idee aber nie und als das Gedenkjahr näher rückte haben wir sie wieder aus der Schublade herausgeholt und erneut daran herumgebastelt. Mit rund 10 Jahren Comicerfahrung mehr haben wir aber das "Asterix-Konzept" nicht mehr für passend gehalten. Wir wollten etwas Eigenständiges schaffen. Mit neuen Vorbildern (Christophe Blain/ "Isaak der Pirat", "Gus"; Manu Larcenet/ "Der Alltägliche Kampf") und neuen Ideen machten wir uns wieder an die Arbeit. Diesmal reichte es für ein fertiges Konzept (Mai 2008) und eine ausgearbeitete Episode (die Grundkonzepte zu anderen Episoden standen auch schon fest).
Hier einige frühe Entwürfe:
Unsere drei Helden als erste Skizze: Kassian, Müller und Kaiser

Und hier schauen sie schon fast so aus wie im endgültigen Comic:
Das provisorische Titelblatt.

Das Treffen mit dem Kaiser in Wien als erste Skizze (hier eine Tuschezeichnung) bzw. als Probekolorierung (-vgl. mit Seite 32 im endgültigen Comic).
Mit ins Boot kam Martin, der uns mit seinem sprachlichen Feingespür und seinen guten Ideen weiterhelfen und dem Text die endgültige Form geben sollte. Da wir das Endprodukt so professionell wie möglich gestalten wollten, machten wir uns daran, Gelder aufzutreiben und begaben uns im Sommer 2008 auf Sponsorensuche - mit Erfolg: Im September sagte uns die TIROLER VERSICHERUNG ein Exklusivsponsoring zu.
Ran an die Arbeit
Die Folgemonate waren spaßig und anstrengend zugleich. Da wir alle noch keine Erfahrung im Comicgestalten hatten, war jeder Arbeitstag und Arbeitsschritt mit neuen Erfahrungen und Herausforderungen gefüllt. Einiges haben wir "einschlägiger Fachliteratur" entnommen, anderes in eigenständiger Analyse herausgefunden.
Wir haben unseren Arbeitsaufwand nicht notiert, aber über den Daumen waren es allein für die Zeichnungen und Kolorierung wohl an die 500 Stunden.
Die Arbeitsbereiche waren folgendermaßen aufgeteilt: Fredi begann mit dem Rohkonzept einer Episode und arbeitete mit mir oder Martin die endgültige Handlung und Dialoge dazu aus. Danach unternahm ich die Einteilung in Einzelbilder und fertigte Skizzen an, die ich nach "historischen und sonstigen Korrekturen" von Fredis Seite (autsch, nicht so grob, Fredi, aua!) mit dem Fineliner reinzeichnete. Da wir von Anfang an den Zeitaufwand als sehr groß eingeschätzt haben, entschied ich mich schweren Herzens gegen eine "getuschte" Version und für die schnellere Fineliner-Variante.
Nach dem Reinzeichnen machte sich Martin an den Feinschliff der Dialoge, danach begann Fredi mit dem Lettern (Sprechblasen setzen) - auch hier haben wir uns aus Gründen der Zeitersparnis gegen ein Handlettering und für ein Computerlettering entschieden. Fredi hat aber versucht, Sprechblasen und Schrift so gut wie möglich an meinen krakeligen Zeichenstil anzupassen.
Die Ausarbeitung der Episoden von der Skizze bis zur geletterten Reinzeichnung dauerten von November 2008 bis Juli 2009 an. Dann gings im Endspurt ans Kolorieren. Jetzt standen wir schon unter ziemlichen Zeitdruck - das fertige Produkt musste bis Mitte September stehen, also spätestens Mitte August in die Druckerei...
Die letzten zwei Wochen war dann Dauerarbeit angesagt. Und dann kam noch das Setzen der fertigen Bilder und Texte in ihre endgültige Form...
Wie den geneigten Leserinnen und Lesern wahrscheinlich aufgefallen ist, sind die Figuren bzw. der Zeichenstil in den einzelnen Episoden etwas unterschiedlich. Das erklärt sich aus der langen Projektzeit - mein Zeichenstil hat sich in diesen vielen Monaten sehr stark verändert. Zudem habe ich die Episoden nicht in der Reihenfolge gezeichnet, in der sie nun im Comic stehen: Wien war die erste, Schwaz die zweite, Spinges die dritte, Innsbruck die vierte, Bergisel die fünfte und "Versehrte und Versicherte" die letzte Episode in Zeichenreihenfolge.
Dass die Figuren in der Spinges-Episode anders aussehen als in den nachfolgenden ist freilich durchaus gewollt - immerhin spielt diese Geschichte 12 Jahre früher.
Ende nie
Ja, es gäbe noch viel, das man verbessern könnte. Kolorierung sauberer machen, Texte kürzen & würzen und die (leider nicht mehr vollendete) Geschichte über die (nicht ganz so glorreiche) 4. Bergiselschlacht. Aber irgendwann wollt ihr das Ding ja auch lesen... also hiermit sei es vollendet. Und hoffen wir einfach auf eine überarbeitete Zweitauflage... :)
also: kräftig kaufen!
Und vor allem: Viel Spaß beim Lesen...
Eure Insurgenten...